Kaum ein deutscher Regisseur hat den Weg vom Fernsehen zum internationalen Blockbuster so erfolgreich zurückgelegt wie Wolfgang Petersen. Mit „Das Boot“ gelang ihm 1981 der internationale Durchbruch; später inszenierte er in Hollywood Filme wie „In the Line of Fire“, „Outbreak“, „Air Force One“, „Der Sturm“ und „Troja“. Seine Karriere begann jedoch viele Jahre früher am Theater und beim deutschen Fernsehen. Petersen arbeitete als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent und starb am 12. August 2022 im Alter von 81 Jahren in Los Angeles.

KategorieDetails
Vollständiger NameWolfgang Petersen
Geburtsdatum14. März 1941
GeburtsortEmden, Deutschland
Gestorben12. August 2022
SterbeortLos Angeles, Kalifornien, USA
Alter bei Tod81 Jahre
BerufFilmregisseur, Drehbuchautor und Produzent
NationalitätDeutsch
AusbildungDeutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb)
EhepartnerinnenUrsula Sieg; Maria Borgel-Petersen
KinderDaniel Petersen
Bekannt fürDas Boot, Die unendliche Geschichte, Air Force One, Der Sturm, Troja
Hollywood-DebütEnemy Mine (1985)
Letzter KinofilmVier gegen die Bank (2016)
Bekannte Auszeichnung/NominierungSechs Oscar-Nominierungen für Das Boot, darunter Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch


Frühes Leben und Herkunft

Wolfgang Petersen wurde am 14. März 1941 in Emden geboren und wuchs in Hamburg auf. Schon während seiner Schulzeit interessierte er sich intensiv für Film und drehte erste Arbeiten mit einer 8-mm-Kamera. Sein Berufswunsch als Regisseur zeichnete sich damit bereits früh ab. Nach dem Abitur im Jahr 1960 begann er, praktische Erfahrungen am Jungen Theater Hamburg zu sammeln. Dort arbeitete er als Regieassistent und Schauspieler und entwickelte zugleich ein Verständnis für die verschiedenen Bereiche einer Theaterproduktion.

Parallel zu seiner Arbeit am Theater absolvierte Petersen eine Schauspielausbildung in Hamburg, die er 1963 abschloss. Anschließend begann er ein Studium der Theaterwissenschaften, wechselte jedoch nach kurzer Zeit zur neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Dort gehörte er zum ersten Jahrgang und studierte Regie. Während dieser Ausbildungszeit entstanden mehrere Kurzfilme, bevor er mit „Ich werde dich töten, Wolf“ seinen Abschlussfilm realisierte.

Erste Erfolge im deutschen Fernsehen

Nach seiner Ausbildung arbeitete Petersen zunächst vor allem für das Fernsehen. In den 1970er-Jahren führte er mehrfach Regie bei Produktionen des NDR und wurde insbesondere durch seine Arbeiten für die Krimireihe „Tatort“ bekannt. Insgesamt inszenierte er sechs „Tatort“-Folgen, darunter „Blechschaden“, „Strandgut“, „Jagdrevier“, „Nachtfrost“, „Kurzschluss“ und das später besonders bekannte „Reifezeugnis“.

„Reifezeugnis“ aus dem Jahr 1977 wurde zu einem der bekanntesten frühen Werke Petersens. Die Folge mit Nastassja Kinski und Christian Quadflieg sorgte wegen ihrer Darstellung einer Lehrer-Schülerin-Beziehung für großes Aufsehen. Ebenfalls 1977 erschien „Die Konsequenz“, ein Fernsehfilm über Homosexualität, der zu seiner Zeit ein gesellschaftlich kontroverses Thema behandelte. Für den Film erhielt Petersen später den Adolf-Grimme-Preis.

Kinodebüt mit „Einer von uns beiden“

Sein Kinodebüt gab Petersen 1974 mit „Einer von uns beiden“. Der psychologische Thriller basierte auf einem Roman von -ky und besetzte Klaus Schwarzkopf und Jürgen Prochnow in den Hauptrollen. Der Film brachte Petersen bereits eine wichtige deutsche Auszeichnung: Er erhielt beim Deutschen Filmpreis ein Filmband in Gold für die Regie.

Die frühen Kino- und Fernsehfilme zeigten bereits Merkmale, die später seine internationale Karriere prägen sollten: ein starkes Interesse an Spannung, klaren Konflikten und Figuren, die unter außergewöhnlichem Druck handeln müssen. Gleichzeitig sammelte Petersen in dieser Phase die praktische Erfahrung, die ihm später bei technisch anspruchsvollen Großproduktionen zugutekam.

„Das Boot“ als internationaler Durchbruch

Der entscheidende Wendepunkt kam mit „Das Boot“. Petersen übernahm Anfang der 1980er-Jahre die Regie bei der aufwendigen Verfilmung des Romans von Lothar-Günther Buchheim. Der Film schildert den Alltag deutscher U-Boot-Soldaten während des Zweiten Weltkriegs und setzt stark auf klaustrophobische Räume, psychischen Druck und die unmittelbare Erfahrung der Besatzung.

„Das Boot“ wurde zu einem internationalen Erfolg und machte Petersen auch in den Vereinigten Staaten bekannt. Bei der 55. Oscar-Verleihung 1983 erhielt der Film sechs Nominierungen. Petersen selbst wurde für Beste Regie und für das Drehbuch nach einer anderen Vorlage nominiert. Weitere Nominierungen gingen unter anderem an Kamera, Filmschnitt, Ton und Tonschnitt. Der Film gewann keinen Oscar, seine sechs Nominierungen machten ihn jedoch zu einem außergewöhnlichen Erfolg für eine deutschsprachige Produktion.

Der Erfolg veränderte Petersens berufliche Perspektiven grundlegend. Nach „Das Boot“ folgte 1984 mit „Die unendliche Geschichte“ ein weiterer großer deutscher Kinofilm. Die Fantasy-Produktion nach Michael Endes Roman wurde international vermarktet und bestätigte Petersen als Regisseur, der große Stoffe mit hohem Produktionsaufwand umsetzen konnte.

Der Wechsel nach Hollywood

1986 zog Wolfgang Petersen nach Los Angeles. Dort gründete er später seine Produktionsfirma Radiant Productions und begann eine neue Phase seiner Karriere. Statt überwiegend für deutsches Fernsehen und Kino zu arbeiten, konzentrierte er sich zunehmend auf internationale Studioproduktionen mit bekannten Hollywood-Schauspielern.

Zu seinen ersten wichtigen Hollywood-Arbeiten gehörte „Enemy Mine“ (1985), gefolgt von „Shattered“ und dem Politthriller „In the Line of Fire“ (1993) mit Clint Eastwood. 1995 inszenierte er den Katastrophen-Thriller „Outbreak“ mit Dustin Hoffman. Die Filme etablierten Petersen als Regisseur großer amerikanischer Produktionen.

„Air Force One“ und die erfolgreichste Hollywood-Phase

Einen seiner größten kommerziellen Erfolge feierte Petersen mit „Air Force One“ (1997). Harrison Ford spielte darin den US-Präsidenten, dessen Regierungsflugzeug von Terroristen entführt wird. Der Film verband politische Spannung mit klassischem Actionkino und wurde zu einem prägenden Hollywood-Thriller der 1990er-Jahre.

Petersens Hollywood-Karriere setzte sich mit weiteren Großproduktionen fort. „Der Sturm“ („The Perfect Storm“, 2000) mit George Clooney und Mark Wahlberg erzählte die Geschichte einer Fischercrew, die in einen extremen Sturm gerät. Vier Jahre später folgte „Troja“ (2004) mit Brad Pitt als Achilles. Diese Filme bestätigten seine Position als Regisseur großer, international finanzierter Unterhaltungsfilme.

„Poseidon“ und spätere Karriere

2006 erschien „Poseidon“, Petersens Neuverfilmung des Katastrophenklassikers „The Poseidon Adventure“. Der Film war eine aufwendige Hollywood-Produktion mit umfangreichen Spezialeffekten. Obwohl Petersen damit erneut ein großes Studio-Projekt realisierte, blieb der Film hinter den kommerziellen Erwartungen zurück.

Danach legte Petersen eine längere Regiepause ein. Erst 2016 kehrte er mit „Vier gegen die Bank“ ins deutsche Kino zurück. Die Krimikomödie mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Michael „Bully“ Herbig basierte auf Petersens gleichnamigem Fernsehfilm von 1976. Damit arbeitete er erstmals seit vielen Jahren wieder an einem deutschsprachigen Kinoprojekt.

Familie und Privatleben

Wolfgang Petersen war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe mit der Schauspielerin Ursula Sieg wurde 1978 geschieden. Im selben Jahr heiratete er Maria Borgel-Petersen, die ebenfalls im Filmgeschäft als Regieassistentin und Script Supervisor tätig war. Die Ehe bestand bis zu Petersens Tod.

Aus seiner ersten Ehe stammte sein Sohn Daniel Petersen. Über Petersens Privatleben hielt sich der Regisseur im Vergleich zu seiner beruflichen Tätigkeit weitgehend zurück. Deshalb sind viele persönliche Details nicht öffentlich ausführlich dokumentiert und sollten nicht durch unbestätigte Angaben ergänzt werden.

Wolfgang Petersens Tod

Wolfgang Petersen starb am 12. August 2022 im Alter von 81 Jahren in Brentwood, Los Angeles. Als Todesursache wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs genannt. Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin würdigte ihn nach seinem Tod als einen ihrer ersten Absolventen und erinnerte besonders an seine Bedeutung für das deutsche und internationale Kino.

Sein Tod markierte das Ende einer Karriere, die sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckte. Von kleinen Fernsehproduktionen und „Tatort“-Folgen führte sein Weg über „Das Boot“ bis zu Hollywood-Produktionen mit internationalen Stars.

Auszeichnungen und Oscar-Nominierungen

Petersens Karriere wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu seinen frühen wichtigen Ehrungen gehörten der Deutsche Filmpreis für „Einer von uns beiden“ sowie der Adolf-Grimme-Preis für „Die Konsequenz“. „Das Boot“ brachte ihm internationale Anerkennung und sechs Oscar-Nominierungen ein.

Bei der Oscar-Verleihung 1983 war Petersen persönlich in zwei Kategorien nominiert: Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch für „Das Boot“. Der Film selbst war außerdem für Kamera, Filmschnitt, Ton und Tonschnitt nominiert.

Später erhielt Petersen weitere deutsche Auszeichnungen. Dazu zählen unter anderem der Bayerische Filmpreis, der Bayerische Verdienstorden, die Goldene Kamera sowie 2012 der deutsche Regiepreis Metropolis für sein Lebenswerk. 2010 wurde zudem ein Stern für ihn auf dem Boulevard der Stars in Berlin verzeichnet.

Bekannte Filme von Wolfgang Petersen

Zu den wichtigsten Regiearbeiten Petersens gehören:

  1. Einer von uns beiden (1974)
  2. Die Konsequenz (1977)
  3. Die unendliche Geschichte (1984)
  4. Enemy Mine (1985)
  5. In the Line of Fire (1993)
  6. Outbreak (1995)
  7. Air Force One (1997)
  8. Der Sturm / The Perfect Storm (2000)
  9. Troja (2004)
  10. Poseidon (2006)
  11. Vier gegen die Bank (2016)

Diese Auswahl zeigt die ungewöhnliche Bandbreite seiner Karriere: vom deutschen Fernsehfilm über Fantasy und politische Thriller bis zu groß dimensionierten Hollywood-Blockbustern. Die internationale Filmografie ist unter anderem im AFI Catalog dokumentiert.

Interessante Fakten über Wolfgang Petersen

  1. Petersen wurde 1941 in Emden geboren und wuchs in Hamburg auf.
  2. Bereits als Schüler drehte er 8-mm-Filme.
  3. Seine berufliche Laufbahn begann am Jungen Theater Hamburg als Regieassistent und Schauspieler.
  4. Er gehörte zum ersten Jahrgang der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.
  5. „Das Boot“ erhielt bei den Oscars sechs Nominierungen, darunter für Regie und adaptiertes Drehbuch.
  6. Mit „Air Force One“, „Der Sturm“ und „Troja“ arbeitete er mit internationalen Stars wie Harrison Ford, George Clooney und Brad Pitt.
  7. Nach einer längeren Pause kehrte er 2016 mit „Vier gegen die Bank“ zum deutschen Kino zurück.

FAQs zu Wolfgang Petersen

Wann wurde Wolfgang Petersen geboren?

Wolfgang Petersen wurde am 14. März 1941 in Emden geboren. Er wuchs in Hamburg auf und begann bereits während seiner Schulzeit, eigene Filme zu drehen.

Wann starb Wolfgang Petersen?

Wolfgang Petersen starb am 12. August 2022 im Alter von 81 Jahren in Los Angeles. Als Todesursache wurde Bauchspeicheldrüsenkrebs angegeben.

Wofür ist Wolfgang Petersen besonders bekannt?

International ist Petersen vor allem für „Das Boot“, „Air Force One“, „In the Line of Fire“, „Outbreak“, „Der Sturm“ und „Troja“ bekannt. „Das Boot“ gilt als entscheidender Film seiner Karriere und brachte ihm sechs Oscar-Nominierungen ein.

Wie viele Oscars gewann Wolfgang Petersen?

Petersen gewann keinen Oscar. Für „Das Boot“ wurde er 1983 jedoch persönlich in den Kategorien Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch nominiert. Der Film erhielt insgesamt sechs Oscar-Nominierungen.

War Wolfgang Petersen verheiratet?

Ja. Petersen war zunächst mit der Schauspielerin Ursula Sieg verheiratet. Nach der Scheidung heiratete er Maria Borgel-Petersen, mit der er bis zu seinem Tod 2022 verheiratet blieb.

Was war Wolfgang Petersens letzter Film?

Sein letzter Kinofilm als Regisseur war „Vier gegen die Bank“ aus dem Jahr 2016. Es war seine Rückkehr zum deutschsprachigen Kino nach einer längeren Pause.

Wann zog Wolfgang Petersen nach Hollywood?

Petersen zog 1986 nach Los Angeles. Nach dem internationalen Erfolg von „Das Boot“ entwickelte er seine Karriere in Hollywood weiter und arbeitete dort an zahlreichen großen Studiofilmen.

Fazit

Wolfgang Petersen verband zwei Welten, die nur wenige deutsche Regisseure gleichermaßen beherrschten: anspruchsvolle deutsche Fernseh- und Kinoproduktionen sowie großes internationales Hollywoodkino. Von seinen frühen „Tatort“-Arbeiten über „Das Boot“ bis zu „Air Force One“, „Der Sturm“ und „Troja“ entwickelte er sich zu einem international anerkannten Regisseur. Sein Werk zeigt, wie ein Filmemacher aus Deutschland eine dauerhafte Karriere in Hollywood aufbauen konnte, ohne seine frühen Erfolge im deutschen Film zu verlieren.